806 Sprüche — Seite 58
In keinem anderen Bereich wird so viel vom eigenen Wesen sichtbar wie im Umgang mit anderen Menschen. Beziehungen enthüllen, was allein verborgen bleibt: Geduld und Jähzorn, Großzügigkeit und Kleinlichkeit, die Fähigkeit zur Bindung und die Neigung zum Rückzug. Deshalb ist das Miteinander eine der aufschlussreichsten Schulen des Lebens.
Was Menschen füreinander bedeuten können, erschließt sich nie vollständig im ersten Blick. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das vielschichtige Wesen menschlicher Begegnung: die Nähe, die trägt, den Widerstand, der reift, und jenes stille Erstaunen, das entsteht, wenn ein anderer einem das zeigt, was man allein nicht sehen konnte.
Nichts ist dem Menschen schwerer zu tragen als eine Last von guten Tagen.
— Wilhelm Müller
Wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen, der findet nie, was ihm genügt. Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden, der sich an seine Seele schmiegt.
— Christoph A. Tiedge
Die Welt ist rauh und dumpf geworden; die Stimm entfiel ihr nach und nach, die einst in tönenden Akorden zum offnen Ohr des Menschen sprach.
— Friedrich Rückert
Es ist nicht gut, dass alles geschieht, was die Menschen wünschen
— Heraklit von Ephesos
Himmel und Erde, Menschen und Geister - alles liebt den Geringen, nicht den Stolzen
Den Tadel der Menschen nahm ich solange gerne an, bis ich einmal darauf achtete, wen sie lobten.
— Walter Rathenau
Manche wären sehr erstaunt zu erfahren, worauf ihre Achtung vor den Menschen beruht.
— Marquis de Vauvenargues
Nur große Menschen haben große Fehler.
— Jean-Jacques Rousseau
Freiheit kann man einem Menschen zwar lassen, aber nicht geben.
— Friedrich von Schiller
Frage dich, wo des Menschen Ruhm beginnt und endet. Und sieh, daß mein Ruhm nur auf meinen Feunden gründet
— William Butler Yeats
Gestern, Heute, Morgen - das sind die drei Tage des Menschen
Des Menschen Gemüt ist sein Geschick.
— Ferdinand Lassalle
Die Menschen sollen Menschen bilden, in dem sie sie als Menschen behandeln.
— Emile Zola
Bevor die Maus beginnt, am Fuße des Menschen zu knabbern, bläst sie daran.
Mittleren Menschen mag man den Mut loben, edlen die Besonnenheit.
— Walter Rathenau
Durch bloße Lehren sind nie die Menschen zu bekehren: Das gute Beispiel prägt allein der Lehre Sinn dem Herzen ein.
— Friedrich von Bodenstedt
Man lernt die Menschheit lieben. In den großen Gesellschaften lernt man die Menschen nur hassen.
— Jean-Jacques Rousseau
Man sieht es den Menschen oft noch im hohen Alter an, dass sie einmal jung waren.
— George Bernard Shaw
In der kalten Ruhe liegt die größte Überlegenheit, liegt das beherrschende Element; sie ist aber nur wenigen Menschen eigen.
— Jeremias Gotthelf
Wenn wir die Natur beobachten, stellen wir fest, dass sie die Seele des Menschen in seinem Körper wie in einem weiträumigen Palast untergebracht hat - allerdings nicht immer in den schönsten Quart …
— Denis Diderot